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SYMPOSIUM | Die Verarbeitung von Katastrophen und Traumata in Literatur und fiktionalen Medienproduktionen

27.-28.9.2016

In den mittlerweile fünfeinhalb Jahren seit der Dreifachkatastrophe im japanischen Nordosten vom 11. März 2011 ist bereits eine große Zahl von Gedichten, Prosatexten, Theaterstücken, Manga und Filmen entstanden, die sich mit der Katastrophe beschäftigen. Dabei stellt sich eine Frage, die bereits von den AutorInnen der sog. genbaku bungaku, der japanischen „Atombombenliteratur“, verfolgt wurde und die dazu geführt hat, dass man mit neuen Ausdrucksformen in der Literatur und ganz unterschiedlichen narrativen Strategien experimentierte: „Wie lässt sich über ein traumatisches Erlebnis schreiben, das das menschliche Fassungsvermögen in so immensem Ausmaß übersteigt?“ (Tan 2009: 645). Die Bandbreite reicht hier von einem nüchtern-rekonstruierenden, dokumentarischen Stil bis hin zu Texten mit fantastischen Elementen. Ähnliche Tendenzen lassen sich in literarischen Werken finden, die die großen, von Industrie und Chemieunternehmen verursachten Umweltkatastrophen im Japan der 1970er Jahre thematisieren, und auch heute, ganz aktuell, in literarischen Werken zu „3/11“.

Das Symposium Die Verarbeitung von Katastrophen und Traumata in Literatur und fiktionalen Medienproduktionen bringt WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Japan zusammen, die ihre Forschung zur literarischen und medialen Verarbeitung des Pazifikkriegs und der Dreifachkatastrophe vom März 2011 präsentieren und vergleichend diskutieren. Welche Aspekte der ‚be-schriebenen‘ Katastrophen werden dabei behandelt? Welche Ausdrucksformen und narrative Strategien werden von den AutorInnen und RegisseurInnen entwickelt? Welche Rolle können Literatur und Medien bei der Verarbeitung von Katastrophen und Traumata spielen? Und schließlich: Lassen sich Medien- und Genre-spezifische Unterschiede feststellen?

Die japankoreanische Schriftstellerin Yū Miri, die nach der Dreifachkatastrophe von 2011 nach Minamisōma in der Präfektur Fukushima gezogen ist, um künftig dort zu leben und zu schreiben, wird ebenfalls zugegen sein; sie wird von ihrer Motivation, diesen Schritt zu tun, und von ihrer Arbeit vor Ort berichten.

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