Bericht | Japanorama 2018

21.03.2018

von Christoph Linder

Auch im heurigen Jahr fand das Japanorama vom 12. bis 16. März statt, welches am Montag mit dem Ostasientag begann, der von Alexandra Schiefert vom Institut der Koreanologie organisiert wurde, und vom Institutsvorstand der Ostasienwissenschaften Univ.-Prof. Dr. Rüdiger Frank eingeleitet wurde. Vize-SPL Univ.-Prof. Dr. Ina Hein ehrte im Anschluss die Absolventen, ehe der erste von drei Gastvorträgen folgte, in dem sich Dr. Norbert Mosch mit Taekwondo in Bezug auf Koreas Beitrag zu Olympia auseinandersetzte.

Als nächstes ergriffen 5 aktuelle AbsolventInnen des Instituts das Rednerpult und präsentierten ihre Masterarbeiten: Lena Knauder (EcoS) mit einem Vergleich zwischen Huawei und Samsung Electronics bezüglich Innovationen, Niko Nagl (KOR) über regionale Dialekte in Südkorea, Timna Michlmayr (SIN) über die Rolle von Land in der Finanzierung lokaler Schulden, Reinhard Christoph Endres (EcoS) mit einer Analyse von Geschäftspraktiken der Firmen Ayala und Samsung sowie Christina Gmeinbauer (JAP) mit einer Analyse des "Eigenen" und "Fremden" in 3 japanischen Computerspielen.

Anschließend bot MMag Dieter Schwank, der als Regionalmanager Fernost/Ozeanien in der Sparte Außenwirtschaft Austria der WKO für die Betreuung österreichischer Firmen in Asien und Ozeanien zuständig ist, einen Einblick in die Wirtschaft Chinas, Koreas und Japan sowie deren Beziehung zu Österreich.

Den Abschluss des Ostasientages bildete Dr. Peter Mendl, Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), der neben einem kurzen Ausblick auf die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tōkyō sowie die Winterspiele 2022 in Beijing über die erst vergangenen Winterspiele in Pyeongchang erzählte.

Mit einem gemütlichen Ausklang bei einem asiatischen Buffet endete hier der Ostasientag 2018, die Japanorama 2018 mit einem Schwerpunkt der japanischen Kampfkünste allerdings hat damit erst begonnen.

Am Dienstag durften wir den Präsidenten der Österreichisch-japanischen Gesellschaft (ÖJG) Dr. Diethard Leopold begrüßen, der einen Vortrag über Kyūdō, das traditionelle japanische Bogenschießen, und die darin enthaltenen Elemente der japanischen Kultur sowie philosophische Elemente hielt. Leopold, der selbst Kyudo-Trainer ist und das Buch "Shinto in der Kunst des Bogenschießens" veröffentlichte, zeigte gemeinsam mit Inge Frischengruber in einer Demonstration die Besonderheiten dieser Sportart, die gleichzeitig körperlich-geistige Unausgewogenheiten bereinigt.

Dr. Wolfgang Herbert, den man guten Gewissens als Koryphäe auf dem Gebiet der Japanologie bezeichnen kann, bot am Mittwoch einen Blick in die Geschichte des Karate, vom Mönch Bodhidharma, dem angeblichen Urvater der Shaolin-Künste, in China begründet wurde. Die Kampfkunst wurde nach Okinawa gebracht, den Weg auf das Festland fand es erst viel später, wo es zur japanischen Volkssportart avancierte. Dieses Karate hat laut Dr. Herbert allerdings nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Karate aus Okinawa zu tun. Die geschichtliche Reise schloss er mit einer Selbstvorführung verschiedener Stellungen und Techniken aus traditionellem und modernem Karate ab.

Ueshiba Morihei, der Begründer des Aikidō, stand am Donnerstag ganz im Mittelpunkt im Vortrag von Dr. Stefan Köck (Österreichische Akademie der Wissenschaften: Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens). Dr. Köck erzählte über Moriheis Anfänge in den Kampfkünsten, seiner Zeit beim japanischen Militär und schließlich den Wendepunkt in Moriheis Leben, als dieser erkannte, dass die Kampfkünste nicht zum Töten geschaffen sind, sondern zum Unterbinden von Kämpfen. Das Verständnis von Budō wandelte sich komplett für Morihei, was sich auch in seinen Lehren zeigte. Die Unterschiede vor und nach dem Wandel wurden auch durch eine Demonstration von Dr. Köck nähergebracht.

Auch am Freitag gab es einen Vortrag über Karate und Okinawa. Stanislaw Meyer von der Jagiellonischen Universität in Krakau legte seinen Fokus auf Mythen und vor allem erfundene Traditionen in Bezug auf Karate, da sich Japan Karate als dessen Volkssportart einverleibt hatte, obwohl Karate ursprünglich der Stolz Okinawas war. Auch in den Logos verschiedener Karateschulen finden sich Symbole wie Sakura oder Samurais, die keine richtige Beziehung zur Kampfkunst haben. Mit möglichen Gründen, woher auch diverse Mythen, wie zb. die Erfindung Karates als waffenlose Form der Selbstverteidigung, kamen, schloss Meyer den Vortrag ab, womit auch das diesjährige Japanorama sein Ende fand.

Wir danken allen teilnehmenden Vortragenden und allen interessierten KollegInnen, die die Vorträge besucht haben!

Diethard Leopold, Inge Frischengruber: Kyūdō – der Weg des Bogens
Wolfgang Herbert: Aus Okinawa nach Olympia: Geschichte, Metamorphosen und Zukunft des Karate-dō
Stefan Köck: Das Ende allen Kämpfens? – Reflxionen über die Entwicklung von Ueshiba Morihei’s Verständnis von „Budō“
Stanislaw Meyer: From invented traditions to distorted history: Okinawa as portrayed in narratives of karate